...und wenn das Geld malade ist?

„Na das ist doch die Aufgabe der Zentralbanken“, werden die meisten ausrufen. „Die Zentralbanken geben die Banknoten aus und kontrollieren die umlaufende Menge.“
Das mag für einen kleinen Teil unserer Währung zutreffend sein, weit über 90 % der Euros werden anders geschöpft.
"Der Vorgang mit dem Banken Geld erzeugen ist so simpel, dass der Geist ihn kaum erfassen kann."
John Kenneth Galbraith (1908-2006), US-amerikanischer Ökonom

Der hier zitierte Mr. Galbraith spricht nicht nur von Zentralbanken, die das Geld erzeugen, sondern vor allem von ganz gewöhnlichen privaten Geschäftsbanken. Wenn diese gewöhnlichen privaten Banken einen Kredit vergeben, sagen wir für eine neue Küche oder eine neue Windkraftanlage, dann wird dem Kreditnehmer Währung zur Verfügung gestellt, welche vorher nicht existiert hat.

Es handelt sich hier lediglich um einen Buchungsvorgang! Bei dieser Art der Währungsvermehrung und auch bei den anderen Arten der Giralgeldschöpfung wird unausweichlich und gleichzeitig eine Schuld in derselben Höhe geschaffen, die durch andere Einkünfte, z.B. aus der Erwerbsarbeit, zurückgezahlt werden muss. Ein wichtiger Aspekt, auf den wir später noch zurückkommen werden.

Zentralbanken können ebenso leicht zum Schöpfer von Währung werden, sie schöpfen ihr  Zentralbankgeld, indem sie den Banken Kredite einräumen. Auch hier entsteht etwas, das in direktem Zusammenhang mit einer Schuld steht: Kreditgeld oder auch Schuldgeld genannt. Unsere Währung ist „Schuld“. Der Umkehrschluss ist nicht minder revolutionär: Wenn alle Schulden zurückgezahlt werden würden, dann gäbe es keine Währung mehr! Der Euro – eine einzige Luftnummer.
"Gold ist Geld, alles Andere ist Kredit."
John P. Morgan (1837-1913), US-amerikanischer Bankier

Preisfrage:
Warum verbuchen Banken bei der Giralgeldschöpfung die Forderung an den Kunden auf der Aktiva-Seite und tätigen die Gegenbuchung als Verbindlichkeit auf der Passiva-Seite (und dokumentieren damit, dass sie dem Kunden die Summe schuldig bleiben)?
Lösung: Weil es sich um eine komplette Luftnummer handelt!
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Oliver Winter, Währungswerkstatt Bielefeld

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...und wenn das Geld malade ist?

Nehmen wir mal etwas Reales, das Euro-Bargeld zum Beispiel.
Das ist in Deutschland das einzige gesetzliche Zahlungsmittel, und es gibt eine Annahmepflicht seitens des Verkäufers/ Anbieters einer Dienstleistung.

Neben dem realen Geld-“Schein“ gibt es noch die digitale Version unserer Währung, auch Giral- oder Buchgeld genannt.
Diese Art der Währung kann man z.B. auf seinem Kontoauszug begutachten.
Buchgeld ist kein gesetzliches Zahlungsmittel,
es ist lediglich eine Forderung auf gesetzliches Zahlungsmittel. Gibt es hier jemanden der/ die die Steuern mit gesetzlichem Zahlungsmittel zahlt? Wohl kaum - es ist gar nicht vorgesehen. Werfen wir doch mal einen Blick auf unsere Girokonten, Bausparguthaben, Lebensversicherungen, Riester Renten, Festgeldkonten, “Wert“-Papiere, Rentenansprüche usw. Auf den jeweiligen Kontoauszügen sind mitnichten Guthaben vermerkt, es handelt sich lediglich um Forderungen an die  jeweilige Versicherung oder Bank bzw. an den Staat. Eine Forderung auf Auszahlung von Bargeld.

Wie im Exkurs Teil 1 angedeutet, kann man dieses Bargeld nicht wirklich als Geld, sondern muss es eher als eine ungedeckte Währung bezeichnen.
“Heiße Luft“ kommt dem Ganzen auch recht nah, denn zur Definition von Geld zählt u.a. auch die Funktion der Werthaltigkeit. Zu guter Letzt sollte man noch einen kurzen Gedankenausflug  zu der  Kreditwürdigkeit der beteiligten Versicherungsunternehmen und Banken machen, an die man diese seine Forderungen stellt. Und dann handeln.

Preisfrage: Warum heißen Schuldscheine wie z.B. Staatsanleihen eigentlich Wertpapiere?

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Flying money

...und wenn das Geld malade ist?

Vor knapp 2700 Jahren hat man in der heutigen West-Türkei, im Königreich Lydien, begonnen Geld in Form von geprägtem Edelmetall herzustellen.

Vorher wurden verschiedene Güter als Tauschmittel eingesetzt, so leitet sich z.B. das lateinische pecunia (Geld) von pecus, dem Vieh ab.

Heute noch wird der Name des damaligen lydischen Königs als Synonym für Reichtum verwendet. Sein neues Geld hatte intrinsischen Wert, d.h. der Wert dieses Geldes lag in sich selbst begründet.
Hier liegt auch schon der große Unterschied zu dem Begriff  der “Währung“. Eine Währung kann, genau wie Geld, ein Zahlungsmittel und ein Wertmaßstab sein, sie hat aber keinen eigenen Wert in sich. Sie ist lediglich ein Dokument  für einen hinterlegten Wert. Dieses Dokument  kann auf Wunsch wieder in seinen Wert (z.B. Gold) zurückgetauscht werden.

Wie wir noch sehen werden, ist das bei unserer Währung seit 1971 nicht mehr der Fall.
Das Rückgrat unserer Währung besteht weniger in einem irgendwie gearteten Wert, den man sich in Frankfurt oder Berlin einfach mal abholen könnte, hier gilt als Deckung einfach die Verwaltung Bundesrepublik Deutschland.
Ein Zitat der Dt. Bundesbank macht es deutlich:  “Für Euro-Bargeld gibt es keine Einlösungsverpflichtung in andere Werte“ (Dt. Bundesbank: Geld und Geldpolitik 2009, S.49)

Preisfrage: Wie hieß der lydische König, der vor 2680 Jahren die ersten Münzen prägen ließ?
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