Tai Chi: Wudang Pai Kampf- und Bewegungskunst

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Querverweise:
Andrea Kornfeld

Links zum Thema:
www.wudang.info

Kategorie: Achtsame Körperarbeit
Autorin: Andrea Kornfeld, Heilpraktikerin und Wudang-Praktizierende
Quelle: Eigene Zusammenstellung
Datum: 17.08.2011

In China werden zwei große Kampfkunstrichtungen unterschieden: Shaolin und Wudang.

Während „Shaolin“ die sogenannten äußeren oder harten Kampfkünste bezeichnet, steht „Wudang“ stellvertretend für die inneren oder weichen Kampfkünste. Zu diesen gehören das bei uns weit verbreitete Taijiquan, aber auch das noch recht unbekannte Baguazhang sowie das Xingyiquan.

Als Begründer der inneren Kampfkünste wird der daoistische Mönch Zhang Sanfeng angesehen, der der Legende nach in den Wudangbergen den Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich beobachtete: der Kranich konnte die Schlange nicht besiegen, da sich die Schlange durch schnelle, geschmeidige Bewegungen immer wieder den Angriffen des Kranichs entzog.
Zhang Sanfeng entdeckte durch diese Beobachtung die Prinzipien der inneren Kampfkünste, welche seitdem in den daoistischen Klöstern weiterentwickelt und tradiert wurden.

Im Rahmen der Kulturrevolution wurden sogenannte religiöse Praktiken unterdrückt, so dass auch die traditionellen daoistischen Kampfkünste nur im Geheimen praktiziert werden konnten. Von „offizieller Seite“ wurde stattdessen die auch bei uns sehr verbreitete Peking-Form als „offizielles“ Taijiquan eingeführt. Erst mit der zunehmenden Öffnung Chinas werden auch die traditionellen Formen wieder vermehrt in der Öffentlichkeit praktiziert und gelehrt.
Auch der Wudangstil hat ein ähnliches Schicksal erlitten. Seit Beginn der „Öffnungspolitik“ unter Deng Xiaoping wurden jedoch viele Aspekte der Wudang-Kampfkünste wiederbelebt und bearbeitet. Es war dennoch sehr ungewöhnlich, dass dieses Wissen den „inneren Zirkel“ verließ und seinen Weg bis nach Europa fand.

Die zugrundeliegende Philosophie der Wudangkünste ist der Daoismus, dessen wichtigstes Prinzip das Mitgefühl ist, welches verbietet, Lebewesen zu töten. Auch aus diesem Grund waren die Kampfkünste eine Geheimtradition, da das Kämpfen dem daoistischen Gedankengut widerspricht. Neben den daoistischen Prinzipien stellen die Lebenspflege und der Erhalt der Gesundheit (Yangshen) wichtige Grundlagen dar; zum Kampf sollte es nur in äußerster Not kommen.
Über einen Wudang-Kampfkünstler sagt man, man sehe ihm seine Fähigkeiten nicht an; er bewege sich natürlich und ähnele einer Liane am Baum. In ihm kommt das daoistische Prinzip des Wassers zum Ausdruck.

Beim Wudangstil oder vielmehr der Wudangpai Kampf- und Bewegungskunst handelt es sich um ein sehr komplexes System u.a. aus körperlichen und geistigen Übungen, die das Ziel haben, die körperliche und geistig-seelische Gesundheit des Übenden positiv zu beeinflussen. Das Taijiquan selbst unterscheidet sich grundlegend von anderen Taiji-Stilen: einerseits ist es stark anwendungsorientiert, geht jedoch gleichzeitig mit einer sehr intensiven meditativen Praxis und innerer Versenkung einher. Es ist von überraschender Natürlichkeit; die Bewegungen sind rund und fließend und lassen die Prinzipien von Yin und Yang jederzeit erkennen.

Im Inneren werden Essenz, Qi und Geist kultiviert; äußerlich werden Muskeln, Knochen und Haut genährt. Die Leitbahnen werden geöffnet und belebt; Körper und Geist sind gleichzeitig beteiligt.
Die daoistischen Prinzipien sollen den Übenden auf den Weg der Natürlichkeit, des Wachstums und Wandels bringen und ihn zu Einfachheit und Ursprünglichkeit zurückkehren lassen.