A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W Y Z

Kategorie: Schamanismus

© wanderweg-claudia-falk-fotolia.com

Seelenrückholung

Die amerikanische Psychologin Sandra Ingerman, Schülerin von Michael Harner und später selbst Lehrerin an seiner Foundation for Shamanic Studies, fügte diesem Basiswissen das alte Ritual der Seelenteilrückholung hinzu. Dieses Ritual wurde ihr während einer schamanischen Reise  von ihren Verbündeten/Spirits gezeigt.

Aus schamanischer Sicht führen einschneidende, traumatische Erlebnisse zum Verlust von Seelenteilen. Um das Trauma, den Schock zu überstehen, entfernen sich Teile der Seele in einen sicheren Raum. Um das Trauma, die Demütigung, die Angst zu überstehen wird auf diese Art ein Teil des Schmerzes verschoben. Wenn dieser Seelenanteil nicht von allein wieder zu uns zurückkehrt, sondern im sicheren Raum verweilt, so erleben wir dies als ein Gefühl, als wären wir vom Leben abgeschnitten, ein Gefühl der Unvollständigkeit. Ebenso speichert dieser verlorene Seelenteil einen Teil unserer Lebensenergie, der uns nicht mehr zur Verfügung steht. Nach schamanischem Verständnis hält das Universum eine solche Leere nicht aus und versucht die Teile zu ersetzen, was teilweise durch Krankheiten geschieht. Der Seelenteilverlust kann so u.a. zu Depressionen, Müdigkeit oder chronischem Energiemangel führen. Der Verlust des klaren Blickes auf den eigenen Seelenpfad kann eine Folge auf der psychischen Ebene sein.

Die moderne Psychologie erkennt an, dass Teile des Selbst abgetrennt werden können und das Individuum sich als entfremdet von seinem essentiellen Selbst wahrnimmt. In der klinischen Terminologie bedeutet Dissoziation die Abtrennung ganzer Persönlichkeitssegmente vom Hauptstrom des Bewusstseins, was zu Gefühlen der Fremdartigkeit und Entpersönlichung führen kann.

Techniken
Klassische schamanische Reise nach dem Core-Schamanismus
Der monotone Trommelschlag trägt die Absicht und den Auftrag des schamanisch Praktizierenden und geleitet diesen sicher aus seinem Körper hinaus und wieder zurück. Manchmal wird dem schamanisch Praktizierenden eine Szene des Traumas gezeigt, manchmal erscheint nur der Seelenteil und mit diesem bildhaft das Lebensalter und Thema der jeweiligen Zeit. Die Verantwortung der Reise besteht darin, den verlorenen Seelenanteil aufzuspüren und sicher zum Klienten zurückzubringen und die Verantwortung des Klienten selbst besteht in der Integration dieses Anteiles in sein tägliches Leben. Wenn der Seelenanteil zurückkehrt, so geht damit auch die Erinnerung an die Zeit des Seelenteilverlustes einher, was mitunter eine Art Erstverschlimmerung auslösen kann. Die Integration eines Seelenanteiles braucht ihre Zeit.
Seelenrückholung nach Dr. Alberto Villoldo

Bei dieser (meist geführten) schamanischen Reise werden 3-4 Kammern in der Unteren Welt aufgesucht. Dies kann sowohl der schamanisch Praktizierende für einen Klienten übernehmen, als auch der Klient für sich selbst. Hierbei geht es nicht darum, das Trauma erneut zu erleben, sondern die Urverletzung, aufgrund derer sich der Seelenteil abgespalten hat, zu beobachten und das verletzte Selbst und dessen damals geschlossenen Seelenvertrag zu erkennen. Daraus resultiert nicht nur eine tiefgreifende Erkenntnis, sondern auch die Möglichkeit Glaubensgrundsätze oder Seelenverträge der traumatischen Zeit neu zu verhandeln und mit dem geheilten Seelenteil zurückzukehren.

Wann kann ein Seelenteilverlust geschehen?

  • Emotionen der Kindheit (u.a. Gefühl des Ungeliebtseins, Verlassenseins)
  • Trennung (Gefühl, ein Teil sei noch bei dem Ex-Partner/zerrüttete Familien)
  • Tod einer nahestehenden Person („es ist, als sei ein Teil von mir auch gestorben“)
  • Schwere Operation (Gefühl nicht vollständig aus der Narkose erwacht zu sein)
  • Missbrauch in jeglicher Form
  • Starker Rausch
  • Unfall
  • Überfall/Gewalterfahrung

Literatur: „Auf der Suche nach der verlorenen Seele“ Sandra Ingerman, „Seelenrückholung“ Dr. Alberto Villoldo

Autorin: Jennie Appel, Psychologische und Energetische Beraterin

Quelle: Eigene Zusammenstellung

Datum: 06.12.2016

Hintergrund / Kontext zur Seelenrückholung
Michael Harner fand weltweit bei allen indigenen Völkern die gleichen schamanischen Basistechniken und fasste diese in einer verständlichen und anwendbaren Form unter dem Begriff "Kern/Core Schamanismus" zusammen. Er blieb bei den wichtigsten schamanischen Heilweisen (Extraktion, Divination, Begleitung von Sterbenden, Hilfe für noch erdgebundene Seelen, Lösung von Besetzungen).