Der Jahreskreis

Das Leben feiern

Quelle: Künstler: Phil Käding dk.pinterest.com/pin/308355905759600921/
27. Oktober 2026 von Systemische Beratung -Leben lernen

Ich feiere seit nunmehr fast 40 Jahren die acht Feste im Jahreskreis, um mich mit der Natur in und um mir zu verbinden. 

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen. Unser Haus lag nicht weit vom Wald entfernt. Als Jugendliche verbrachten wir die Abende oft im Wald in einer kleinen Hütte mit einer Feuerstelle. Es war für mich ein tiefes Erlebnis, dem flackernden Feuer zuzusehen und den Geräuschen der Nacht zu lauschen, dem Säuseln des Windes, dem Knacken der Äste, dem Ruf eines Käuzchen. Ich habe mich dann im Einkang mit etwas Größerem gefühlt, vom dem ich Teil bin und das doch über mich hinausgeht.

Als junge Erwachsene habe ich dann einen Kreis von Menschen gefunden, deren innige Gefühle für Mutter Erde den meinen glichen. Zusammen mit ihnen habe ich gelernt, die Jahresfeste zu feiern und mich einzuschwingen in den Kreislauf der Natur.

Durch dieses bewusste sich Vergegenwärtigen des Kreislauf des Lebens habe ich mich auf den Weg gemacht, die Rhythmen von Wachsen und Vergehen anzunehmen und den Tod als Teil des Lebens anzunehmen. Dieses Wissen, das im Alltag vieler Kulturen in der Vergangenheit und auch noch heute, sichtbar war und wertgeschätzt wurde, wird in der heutigen Zeit des "Höher, Schneller, Weiter" tabuisiert und ausgeblendet. 

In dem ich die Jahresfeste feiere, nähere ich mich wieder diesem alten Wissen an. Zur Wintersonnenwende feiere ich die Wiedergeburt des Sonnenlichts, zu Imbolc (Lichtmess) die ersten Regungen des Lebens, erkennbar an den langsam heller werdenden Tagen, zu Frühlingstagundnachtgleiche das Hervorbrechen des Lebens aus der dunklen Erde, zu Beltane (Walpurgis) den Blütenrausch der Fruchtbarkeit, zu Sommersonnenwende, den Wendepunkt des Sonnenlichts, seinen Höhepunkt, in dem sein Schwinden enthalten ist, zu Lughnasad, den Tod (das Schneiden) des Korns, das uns durch den Winter bringt, zu Herbsttagundnachtgleiche, die Ernte und den beginnenden Rückzug des Lebens, zu Samhain (Ahnenfest), die Würdigung des Vergehens und des Vergangenen, das Erinnern an die, die vor uns gegangen sind und die noch kommen werden.  Mit der darauf folgenden Wintersonnenwende, der erneuten Wiedergeburt der Sonne, schließt sich der Kreis und weitet sich gleichzeitig. 

Auf diese Weise zu feiern, hilft mir zu erkennen und mich daran zu erinnern, das Leben und Tod, Freude und Trauer untrennbar miteinander verwoben sind, dass ich mich vor der Dunkelheit nicht fürchten muss und Freude und Leid, Geschwister sind, die mich auf dem Pfad des Lebens führen und mich lehren, ganz zu werden und ein gutes und zufriedenes Leben zu führen.     

Zum Abschluss möchte ich mit euch ein Gedicht teilen, dass ich vor vielen Jahren zur Wintersonnenwende geschrieben habe:

 

Wo Leben und Tod einander berühren

Im Zentrum von Dunkelheit und Nacht

Entfacht sich ein Feuer

Im Herzen der Sehnsucht

In der Mitte

Allen Glücks und allen Leids

 

Mit dem Segen der Mutter des Lebens

Uta Sprenger (Ritualfrau, Coach und Entspannungstrainerin) 

                   

Ein Artikel von
Uta Sprenger

Uta Sprenger - Systemische Beraterin
Systemische Beraterin
33611 Bielefeld

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